Mentale Einstellung zu einem Hunderter

 

Aus dem Leistungssport wissen wir, dass diejenigen Sportler erfolgreich sind, die sich auf einen Wettkampf auch mental am besten einstellen können und die Nerven behalten.

Nun ist Extremwandern noch kein Leistungssport per se, jedoch Hundert Kilometer innerhalb 24 Stunden zu wandern verlangt eine hohe körperliche Leistungsbereitschaft und oft genug muss an die körperliche und geistige Grenze gegangen werden. Was braucht es „eigentlich“ für eine geistige Einstellung als Weit- und Extremwanderer, neben der körperlichen Fitness, um den Weg zu meistern? Die mentale Frage beim Wandern beschäftigt mich schon länger. Nach den Erfahrungen einiger Extrem- und Weitwanderungen, die auch Wanderungen über mehrere Wochen, sowie einige Hundert Kilometer Wanderungen aufzeigen, schreibe ich hier eine kurze Zusammenfassung meiner wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen.

 

Drei Faktoren führen ins Ziel

 

Erst einmal ist es immens wichtig das Ziel bereits beim Start festzulegen!

Ohne klaren Fokus darauf, wirst Du es nicht erreichen. In diesem Fall also: einen Weg zu Ende zu gehen, egal was kommt. Es gibt nur sehr wenige Gründe, die einen von seinem Vorhaben abbringen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass während einer Weitwanderung Unfälle passieren oder man aus familiären Gründen nach Hause zurück muss sind jedoch extrem gering. Ich denke man muss sich darauf einstellen, dass man keinen äußeren Grund hat, auszusteigen und man in der Regel gegen seinen inneren Schweinehund kämpft.

Der zweite wichtige Faktor ist die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen. Denn es ist nicht die Frage WANN eine Herausforderung kommt, sondern WIE oft es passiert. Eine Extrem- und/oder Weitwanderung wimmelt nur so von Situationen, die uns herausfordern Ruhe zu bewahren, sei es dass man sich verläuft und nicht die gewünschte Unterkunft bekommt oder mit der Witterung umgehen muss. Witterung ist übrigens für mich die größte Herausforderung und gleichzeitig die Chance auf mentale Übung!

Und drittens benötigt der erfolgreiche Extrem- und Weitwanderer, eine echte Liebe zur Natur, und zwar auch zu den negativen Seiten des In-der-Natur-Seins wie Hitze, ein nasser Schlafplatz, oder auch Schneetreiben.

 

Mein größtes Problem ist der Umgang mit dem Wetter

 

Von der Mentalität eines stahlharten Durchwanderers bin ich derzeit immer noch ein Stück entfernt.

Denn auch wenn ich ein recht willenstarker Mensch bin, der nicht so schnell aufgibt und sich auch durch harte Etappen durchkämpfen kann, so habe ich doch festgestellt, dass gerade das Extremwandern etwas zu Tage befördert, das mir auch im Alltag begegnet: Der Hang die Komfortzone zu pflegen!

Eine Situation, die bestimmt jeder kennt, ist die Frage nach dem Warum. Warum tue ich das, warum können die anderen jetzt ruhig schlafen während ich hier durch die Nacht laufe …. Warum? Warum? Warum!

Die Frage des Warum ist auch immer die Antwort weshalb ich beim Extremwandern meine Komfortzone weit hinter mir lasse. Die Frage, die sich mitunter im Kopf bildet ist nie die Frage des eigenen Warum, sondern eine zugeworfene Frage des inneren Schweinehundes. Die Antwort darauf ist simpel und einfach erklärt. Warum? „Weil ich es will!“

Bei längeren Wanderungen kommt auch noch das Gefühl hinzu, dass meine Willenskraft mehr und mehr trainiert wird und ich mich auch an ungewohnte, ungeplante und ungewollte Situationen mit der Zeit immer besser anpassen kann. Am Ende einer Hundert – In – 24 Stunden Tour verfüge ich über eine größere Anpassung als vorher und gehe gestärkt in den Alltag zurück.

Welche Erfahrungen mit der mentalen Einstellung bei Extrem- und Wanderungen hast Du gemacht? Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen, Fragen und/oder Anregungen!

 

Blogempfehlung zum Schluss

 

Mit der mentalen Frage beim Wandern beschäftigt sich auch Christine. Christine ist Autorin eines englischsprachigen Blogs (http://christine-on-big-trip.blogspot.de/) und hat in den letzten Jahrzehnten 28.000 km zu Fuß zurückgelegt auf den anspruchsvollsten Trails der Welt wie dem Appalachian Trail in den USA. Außerdem ist sie einmal quer durch Deutschland und West-Europa gelaufen. Auf ihrem Blog hat sie einen langen Artikel dem Thema „Mentality“ gewidmet.

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Hier schreibt

Michael G. Waltenberger über seine Ultra / Extrem- und Weitwanderungen!

In der Welt der Ultrawanderungen setze ich mir stets neue Ziele, die die Distanzen der 100 km und 24 Stunden an einem Stück, weit überschreiten! Mehr dazu im B L O G!

„Weit ist nicht weit genug!“